Musiker und Kulturkritiker
Werner Thärichen (18.8.1921 – 24.4.2008)
Mit Werner Thärichen, der am 24. April 2008 im Alter von 87 Jahren starb, hat nicht nur Berlin einen bedeutenden Musiker verloren. Thärichen war ein umfassend gebildeter und vielseitiger Musiker und bis zuletzt ein streitbarer, kulturkritischer Geist: Musiker, Dirigent, Hochschullehrer, Komponist, Musikschriftsteller.
1921 in Neuhardenberg geboren, studierte er 1937 bis 1940 an der Berliner Musikhochschule Schlagzeug, Flöte, Klavier, Komposition und Dirigieren. Nach Engagements an der Berliner Volksoper und der Hamburger Staatsoper kam er am 1. Mai 1948 zu den Berliner Philharmonikern, deren 1. Solopauker er bis 1984 war. Zeitweilig war Thärichen auch im Fünferrat und Vorstand des Orchesters. Einige Jahre lehrte er Orchesterleitung an der Hochschule der Künste in Berlin.
Der Schriftsteller Werner Thärichen erregte 1987 Aufsehen mit seinem Buch Paukenschläge – Furtwängler oder Karajan, einer kritischen Auseinandersetzung mit den beiden Philharmonischen Chefdirigenten des 20. Jahrhunderts, die er aus eigener Anschauung erlebte. Thärichen ging es dabei um die Schilderung der Arbeitsweise und der Interpretationen dieser beiden gegensätzlichen Künstlerpersönlichkeiten. Und er machte kein Hehl aus seiner Bewunderung und Bevorzugung Furtwänglers. In Immer wieder Babylon oder Musik als Sprache der Seele (1991) ging es ihm nicht nur ums Musizieren, sondern um Grundsätzlicheres: die Hybris menschlichen Handelns, die unkritische Verherrlichung des Fortschritts, aber eben auch um den „schöpferischen Impuls in jedem Menschen“.
Thärichen schrieb mehr als 70 Kompositionen, die unter anderem unter Leitung von Sergiu Celibidache, Eugen Jochum und Herbert von Karajan zur Uraufführung kamen. Besonders bekannt wurde sein Konzert für Pauken und Orchester (1954), das Thärichen häufig sowohl als Solist wie als Dirigent im In- und Ausland aufführte. In Konzerten der Berliner Philharmoniker waren u. a. „Die Orchesterversammlung“ (1965) und „Paukerkrieg“ zu hören. Bis zuletzt arbeitete er an der Oper «Nur noch 40 Tage» über die biblische Jona-Geschichte, die 2010 in Potsdam uraufgeführt werden soll.
Die Wilhelm-Furtwängler-Gesellschaft gedenkt Werner Thärichens als eines lauteren und warmherzigen Menschen, der als Musiker die außerordentlichen Gaben Wilhelm Furtwänglers als Orchesterleiter und die Lebendigkeit seines Musizierens immer wieder in Erinnerung gerufen hat und für ihre bleibende Bedeutung auch als Lehrer eingetreten ist.